Lehrstuhl für Sozialpsychologie und Persönlichkeitspsychologie

Rassistische Diskriminierungserfahrungen und psychische Gesundheit von Jugendlichen: Eine Tagebuchstudie

PI: Aleksandra KaurinAnna BaumertSlieman Halabi

Projektlaufzeit: 2023-2025

Förderung: Heidehof-Stiftung, Antidiskriminierungsstelle des Bundes

Foto: AWARE-Studienteam, v.l.n.r.: Prof. Dr. Aleksandra Kaurin, Lukas Braun, Julia Riuzki, Cara Wicher, Nicolas Mejeritski, Ece Aleyna Demirgüneş, Hannah Matz, Lindita Zeqa, Prof. Dr. Anna Baumert

Zahlreiche Studien  weisen darauf hin, dass insbesondere Kinder und Jugendliche, die einer ethnischen Minderheit angehören, langfristig ein erhöhtes Risiko haben, an einer psychischen Störung zu erkranken (Dingoyan et al., 2017; Pachter et al., 2009). Eine mögliche Erklärung besteht darin, dass Betroffene in ihrem Alltag gehäuft mit Diskriminierung (z.B. Abwertungen, Ungleichbehandlungen) konfrontiert sind (Pascoe & Smart Richman, 2009), die über Akkumulationsprozesse zu einer Vulnerabilität für psychische Störungen führen (Benner et al., 2018). Dennoch sind Diskriminierungserfahrungen und damit einhergehende Belastungsprozesse im Alltag von Kindern und Jugendlichen, die in Deutschland als Kinder von Migrant:innen bzw. geflüchteten Menschen geboren oder als Kinder selbst nach Deutschland geflohen sind, nicht ausreichend untersucht (von Lersner et al., 2015).

Aus diesem Grund ist ein Ziel des Projekts, eine Tagebuchstudie zur systematischen Untersuchung diskriminierender Erfahrungen im Alltag von Kindern und Jugendlichen durchzuführen. Auf diese Weise werden die Besonderheiten der Belastungs- und Bewältigungserfahrungen betroffener Kinder und Jugendlicher zu charakterisieren versucht, die eine vermittelnde Rolle in der Entstehung psychischer Störungen spielen könnten. Eine solche sog. intensiv-längsschnittliche Datenerhebung ist ein wichtiger Schlüssel zu unserem Verständnis langfristiger Akkumulationsprozesse des Belastungserlebens Betroffener. Langfristig soll auf dieser empirischen Datenbasis die Bedeutung notwendiger rassismussensibler Transformationen in den Versorgungsstrukturen für psychisch erkrankte Kinder und Jugendliche diskutiert und so, im Sinne einer gleichberechtigten Teilhabe, Maßnahmen für eine adäquatere psychotherapeutische Versorgung Betroffener in der BRD (und darüber hinaus) entwickelt und erprobt werden.

Kooperationspartner*innen: Ursula Moffitt, Wheaton College Massachusetts

References:

Benner, A. D., Wang, Y., Shen, Y., Boyle, A. E., Polk, R., & Cheng, Y. P. (2018). Racial/ethnic discrimination and well-being during adolescence: A meta-analytic review. American Psychologist, 73(7), 855.

Dingoyan, D., Schulz, H., Kluge, U., Penka, S., Vardar, A., von Wolff, A., Strehle, J., Wittchen, H. U., Koch, U., Heinz, A. & Mösko, M. (2017). Lifetime prevalence of mental disorders among first and second generation individuals with Turkish migration backgrounds in Germany. BMC Psychiatry17(1). https://doi.org/10.1186/s12888-017-1333-z

Pachter, L. M. & Coll, C. G. (2009). Racism and Child Health: A Review of the Literature and Future Directions. Journal of Developmental Behavioral Pediatrics30(3), 255–263.

Pascoe, E. A. & Smart Richman, L. (2009). Perceived discrimination and health: A meta-analytic review. Psychological Bulletin135(4), 531–554. https://doi.org/10.1037/a0016059

von Lersner, U., Pleger, M., Baschin, K., Morina, N. & Fydrich, T. (2015). Psychische Belastung von Jugendlichen. Zeitschrift für Klinische Psychologie und Psychotherapie44(3), 147–158. https://doi.org/10.1026/1616-3443/a000306

zuletzt bearbeitet am: 13.06.2024

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