Lehrstuhl für Sozialpsychologie und Persönlichkeitspsychologie

Forschung

Forschungsprofil 

Der Lehrstuhl für Sozialpsychologie und Persönlichkeitspsychologie vereint Wissenschaftler, deren Forschung sich dem Verständnis des Zusammenspiels von Persönlichkeit und sozialpsychologischen Prozessen widmet. Unsere Teammitglieder verfügen über Fachwissen in verschiedenen Bereichen der Psychologie und erforschen individuell die Wahrnehmungen, Einstellungen und Verhaltensweisen von Menschen im Bereich Moral und Gerechtigkeit. Dazu gehören Studien über Zivilcourage, emotionale Reaktionen auf moralische Verstöße, moralische Entscheidungsfindung sowie Interventionen gegen unmoralisches Handeln. Wir untersuchen diese Themen auf verschiedenen Analyseebenen, darunter intra- und interpersonell sowie intra- und intergruppenspezifisch. Neben klassischen Laborstudien setzen wir in unserem Forschungsvorhaben eine breite Palette von Forschungsmethoden ein: Umfragen, Feldexperimente, Interaktionsstudien, Spieltheorie und mehr.

Gerechtigkeit und Moral

Wir erforschen die Wahrnehmung von und Reaktionen auf Ungerechtigkeit und wie sich Menschen systematisch darin unterscheiden. Dabei betrachten wir die Perspektiven des Opfers, Beobachtenden, Nutznießers und Täters. Wir sind besonders interessiert an moralischen Emotionen und ihren motivationalen und kommunikativen Funktionen; daran, wie Menschen ihr Handen an moralischen Prinzipien orientieren oder sich davon loslösen; und an zum Teil riskantem Verhalten, das Menschen zeigen, um moralische Prinzipien zu verteidigen.

Interpersonelle Dynamiken

Der Aufbau sozialer Beziehungen zu anderen Menschen ist eine entscheidende Fähigkeit für die soziale und berufliche Entwicklung sowie für die Entwicklung der Identität eines Menschen. Wir berücksichtigen den wechselseitigen Einfluss von Erfahrung und Verhalten, indem wir den potenziellen Interaktionseffekt zwischen dem Ziel und dem Wahrnehmenden berücksichtigen.

In dyadischen Kontexten untersuchen wir die Präferenzen, wen wir als romantischen Partner wählen und mit wem wir zusammenbleiben. Wie beurteilen wir in langfristigen romantischen Beziehungen die Qualität und Zufriedenheit der Beziehung? In Bezug auf den Bereich der Moral untersuchen wir, wie moralische Verstöße in engen Beziehungen beurteilt werden und wie darauf reagiert wird.

Dabei untersuchen wir zum einen die kleinstmögliche Beobachtungseinheit, eine dyadische Beziehung, in der wir intrasexuelle und intersexuelle Unterschiede in den Präferenzen für die Person, mit der wir in einer Beziehung sein wollen, berücksichtigen. Wir untersuchen auch, wie unsere romantischen Beziehungen unser Urteilsvermögen und Verhalten in Bereichen beeinflussen, die mit der Beziehungsqualität oder der Moral zusammenhängen, die für die Aufrechterhaltung der Beziehung eine Rolle spielen könnten. Andererseits betrachten wir auch gruppenbezogene Prozesse und befassen uns mit Themen wie Gruppenbildung und Gruppenidentität. So untersuchen wir beispielsweise, wie die Reaktionen auf die Erfahrung von Mikro-Aggressionen seitens einer Minderheit das Verhalten der Mehrheitsgruppe beeinflussen können.

Intra- und Intergruppenbeziehungen

Über die interpersonelle Ebene hinaus legen wir einen besonderen Schwerpunkt auf das Verständnis sozialer und moralischer Fragen innerhalb und zwischen Gruppen. Wir untersuchen, wie Personen moralische Verletzungen wahrnehmen und darauf reagieren, wenn sie von anderen Gruppenmitgliedern begangen werden oder sich gegen ihre oder andere Gruppen richten.

Wir befassen uns mit Normverletzungen wie Diskriminierung, Vorurteilen und Aggressionen zwischen Gruppen, die sich beispielsweise in Online-Hassreden und alltäglichen Mikroaggressionen äußern. In Anbetracht der negativen Folgen von Verhaltensweisen, die anderen Schaden zufügen, testen wir verschiedene Interventionen zur Verringerung ihres Auftretens. Insbesondere befassen wir uns mit den Prozessen und Bedingungen, die es fördern oder verhindern, dass Menschen solche Verletzungen konfrontieren oder sie anprangern, sowie mit den Bedingungen, die positive Auswirkungen solcher Konfrontationen fördern. Dabei untersuchen wir individuelle Unterschiede wie Gerechtigkeitssensibilität, Gruppenidentifikation und Systemrechtfertigung. Darüber hinaus betrachten wir prosoziales Verhalten und Empathie im Kontext sozialer und wirtschaftlicher Ungleichheit.

Zusammenspiel von Sozial- und Persönlichkeitspsychologie

Über die verschiedenen Forschungsschwerpunkte hinweg widmen wir uns dem Verständnis des Zusammenspiels von Persönlichkeit und sozialpsychologischen Prozessen. Wir konzeptualisieren Persönlichkeit als systematische interindividuelle Unterschiede in der Art und Weise, wie sich psychologische Prozesse in Abhängigkeit vom (sozialen) Kontext entfalten. Wir betrachten die systematischen Interaktionen und Transaktionen zwischen Persönlichkeit und sozialen Prozessen. Dementsprechend untersuchen wir, wie Individuen ihre sozialen Situationen auswählen, subjektiv konstruieren und aktiv gestalten und wie ihre Erfahrungen wiederum ihre charakteristischen Verarbeitungs- und Reaktionsweisen auf soziale Situationen prägen. Wir interessieren uns insbesondere dafür, wie sich Persönlichkeitsdispositionen in Intra- und Intergruppenkonstellationen auswirken und wie sich diese Rollen von interpersonellen Konstellationen unterscheiden (oder auch nicht).

Anwendbarkeit unserer Forschung

Als Gruppe streben wir danach, Forschungsarbeiten zu erstellen, die auf reale Probleme angewandt werden können, z. B. Hassreden im Internet oder Zivilcourage im Alltag. Zu diesem Zweck untersuchen wir Prozesse und versuchen, Ursachen und Wirkungen zu ermitteln, was uns in die Lage versetzen soll, bessere Instrumente für die Arbeit an einer sicheren und gerechten Welt zu entwickeln. Mit unseren Erkenntnissen darüber, wie wir denken, uns verhalten und auf unsere Umgebung reagieren, wollen wir auch den öffentlichen Diskurs und die Politik mitbestimmen. Das bedeutet, dass Wissenschaftskommunikation und Öffentlichkeitsarbeit zentrale Bestandteile unserer Arbeit in dieser Forschungsgruppe sind.

Effekte moderner Kommunikationstechnologien auf unser alltägliches Leben

Unser Team erforscht auf verschiedenen Ebenen, wie moderne Kommunikationstechnologien den Alltag von Menschen prägen. Wir untersuchen zum Beispiel, wie Instagram-Posts die Selbstwahrnehmung beeinflussen oder auf welcher Basis Menschen Online-Nachrichten auswählen. Darüber hinaus erforschen wir die besonderen Faktoren, die Zivilcourage online erleichtern und erschweren und wie man sie gegen Beleidigungen und Hassrede einsetzen kann. Zusätzlich zu den Effekten im Netz, interessieren wir uns auch für die Auswirkungen moderner Kommunikationstechnologien auf Offline-Interaktionen, z.B. wie Smartphones dyadische Interaktionen verbessern oder behindern.

Verschiedenartige Ansätze der Datenerhebung

In unserer Forschung kombinieren wir eine breite Palette methodischer Ansätze zur Datenerhebung. Da jeder einzelne Ansatz prinzipbedingt limitiert ist, untersuchen wir über den multimethodalen Ansatz methodenübergreifende Konsistenz. Die Methoden umfassen Selbstberichte (z. B. Online-Befragungen, ambulante Erhebungen mit intensiven Längsschnittdesigns), Verhaltensbeobachtung (z. B. Feldexperimente, Beobachtungen von Interaktionen im Labor und im Feld, Wirtschaftsspiele, Gesichtsausdruck), Verhaltensspuren (z. B. Verarbeitung natürlicher Sprache, Website-Scraping, Social-Media-Daten), Prozessverfolgungsmethoden (z. B. Maus- und Eye-Tracking), reaktionszeitbasierte Messungen sowie modernste experimentelle Ansätze (z. B. Bot-Interventionen).

Lehrstuhlkolloquium

Im Rahmen des regelmäßig stattfindenden Lehrstuhlkolloquium werden laufende Forschungsprojekte der Sozialpsychologie und Persönlichkeitspsychologie diskutiert.

Terminübersicht (wird kontinuierlich ergänzt)

Aktuelle Drittmittelprojekte und Kooperationspartner

Rassistische Diskriminierungserfahrungen und psychische Gesundheit von Jugendlichen: Eine Tagebuchstudie
(Aleksandra KaurinAnna BaumertSlieman Halabi)

Personalized AI-Based Interventions Against Online Norm Violations: Behavioral Effects And Ethical Implications
(Anna Baumert, Bergische Universität Wuppertal und Jens Grossklags, Technische Universität München)

Open Science Statement

Die Debatte zur Replizierbarkeit und Transparenz psychologischer Forschung sehen wir als große Chance für die Sozial- und Persönlichkeitspsychologie, aber auch für uns persönlich, Zielsetzungen, Incentivierung und praktisches Forschungsvorgehen zu überdenken und neu zu justieren. In unserer Forschung setzen wir dabei auf theoretische Schärfe, Sicherung von Reliabilität und Validität der Messung und Manipulation, Stichprobenumfangsplanung auf Grundlage von Teststärke, (direkte) Replikation, sowie sogenannte Open Science Maßnahmen (Open Material, Scripts, Data) und Präregistrierung von Hypothesen und konfirmatorischen Analysen.

Diese Prinzipien sind für uns handlungsleitend in der Lehre, beispielsweise im Rahmen von Praktika, bei der Betreuung von Abschlussarbeiten und Doktorarbeiten.

Ebenso sind diese Prinzipien für uns maßgebend in unserer Arbeit auf institutioneller Ebene, beispielsweise in Auswahlkommissionen, als Gutachter*innen oder Herausgeber*innen. Wir beteiligen uns aktiv an der fachpolitischen Diskussion um Replizierbarkeit und Transparenz.

Links

German Reproducibility Network (GRN)

Netzwerk der Open Science Initiativen (NOSI)

Commitment to Research Transparency and Open Science

zuletzt bearbeitet am: 23.02.2023

Weitere Infos über #UniWuppertal: